Von der Freien Selbstständigen Arbeit zu neuen Lernwegen
Schule ist ein Ort des Lernens – nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern auch für uns als Lehrkräfte und als Schulgemeinschaft.
Wir möchten Unterricht gestalten, der den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Schülerinnen und Schüler gerecht wird, ihre Selbstständigkeit fördert und ihnen Raum gibt, eigene Lernwege zu entdecken.
Dafür nutzen wir die pädagogischen Gestaltungsmöglichkeiten unserer Schule, hinterfragen bestehende Strukturen und entwickeln unsere Unterrichtspraxis kontinuierlich weiter.
Unser Lernkonzept ist das Ergebnis dieses Entwicklungsprozesses. Es baut auf langjährigen Erfahrungen auf, greift neue pädagogische Ideen auf und wächst durch die aktive Beteiligung unserer Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte.
Unsere Erfahrungen mit der FSA – der Ausgangspunkt
Mehr als 15 Jahre lang war die Freie Selbstständige Arbeit (FSA) ein fester Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit an der Friedrich-August-Genth-Schule.
Sie ermöglichte unseren Schülerinnen und Schülern, erste Erfahrungen mit eigenständigem Arbeiten und der Organisation ihrer Lernaufgaben zu sammeln.
Gleichzeitig haben uns die langjährigen Erfahrungen gezeigt, dass eine stark durch Pflichtaufgaben und Wochenpläne strukturierte Arbeitsweise nicht immer ausreichend Raum für individuelle Lernwege bietet.
Unterschiedliche Lernvoraussetzungen, persönliche Interessen und das eigene Lerntempo konnten dabei nicht immer in dem Maße berücksichtigt werden, wie wir es uns wünschen. Auch der organisatorische Aufwand für die Lehrkräfte und der mit der Bearbeitung umfangreicher Aufgabenpläne verbundene Zeitdruck waren Aspekte, die wir bei unserer Weiterentwicklung bewusst in den Blick genommen haben.
Diese Erfahrungen haben uns dazu bewegt, unser bisheriges Konzept grundlegend zu überdenken.
Wir wollten mehr Raum für individuelle Entscheidungen schaffen, die persönliche Lernbegleitung stärken und Schülerinnen und Schülern ermöglichen, zunehmend selbst Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen.
Dabei war uns wichtig, nicht einfach eine neue Unterrichtsmethode einzuführen, sondern unsere pädagogische Haltung und die Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler stärker in den Mittelpunkt zu stellen.
2023/24 – Die ersten Schritte
Im Schuljahr 2023/24 begannen wir mit ersten Veränderungen und Erprobungen in unserer iPad-Pilotklasse.
Dabei war uns von Anfang an wichtig, nicht einfach ein fertiges Konzept vorzugeben, sondern gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern, den Eltern und den beteiligten Lehrkräften neue Wege zu entwickeln.
Wir haben ausprobiert, Rückmeldungen eingeholt, Erfahrungen ausgewertet und unsere Ideen immer wieder angepasst.
Aus diesen ersten Erprobungen entwickelten sich schrittweise die beiden zentralen Bausteine unseres heutigen Lernkonzepts: die Lernwerkstatt und das Lerncoaching.
Unser Ziel war es, individuelle Lernmöglichkeiten und eine verlässliche persönliche Begleitung so miteinander zu verbinden, dass die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Lernweg zunehmend selbst gestalten können.
2025/26 – Die erste Pilotklasse
Im Schuljahr 2025/26 startete die erste Pilotklasse mit unserem weiterentwickelten Lernkonzept im Gymnasialzweig.
Die Schülerinnen und Schüler wurden von Beginn an aktiv in den Entwicklungsprozess einbezogen. Ihre Erfahrungen und Rückmeldungen halfen uns dabei, die Lernwerkstatt und das Lerncoaching weiterzuentwickeln und an die Bedürfnisse der Kinder anzupassen.
Besonders die persönlichen Gespräche im Lerncoaching wurden von den Schülerinnen und Schülern positiv wahrgenommen. Sie beschrieben es als wertvoll, eine feste Ansprechperson zu haben, die sich regelmäßig Zeit für sie nimmt und sie auf ihrem Lernweg begleitet.
Auch die Möglichkeit, eigene Lernentscheidungen zu treffen und zunehmend Verantwortung für den persönlichen Lernprozess zu übernehmen, wurde gemeinsam reflektiert.
Am Ende des Schuljahres sprachen sich die Schülerinnen und Schüler der Pilotklasse dafür aus, das Konzept auch im folgenden Schuljahr fortzuführen.
Damit geht diese Klasse im Schuljahr 2026/27 bereits in ihr zweites Jahr der Lernreise.
2026/27 – Unser Lernkonzept wächst
Im Schuljahr 2026/27 gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt.
Die Klassenleitungen von sechs unserer acht neuen fünften Klassen haben sich gemeinsam mit ihren Teams entschieden, das Lernkonzept zu erproben.
Damit sammeln wir erstmals in größerem Umfang Erfahrungen im Hauptschulzweig, im Realschulzweig und im Gymnasialzweig.
Die Umsetzung erfolgt derzeit auf freiwilliger Basis durch die jeweiligen Klassenteams. Unser Lernkonzept befindet sich weiterhin in der Entwicklung und Erprobung und ist noch kein verbindlich eingeführtes Konzept für die gesamte Schule.
Gerade deshalb ist uns eine sorgfältige Begleitung dieses Prozesses wichtig.
Wir möchten Erfahrungen aus unterschiedlichen Klassen und Schulzweigen sammeln, die Rückmeldungen unserer Schülerinnen und Schüler ernst nehmen und gemeinsam mit den Eltern und den beteiligten Lehrkräften herausfinden, welche Strukturen sich bewähren und wo Anpassungen notwendig sind.
Unser Ziel ist es, das Lernkonzept nicht vorschnell auf die gesamte Schule zu übertragen, sondern es Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und dabei die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen.
Gemeinsam auf dem Weg – unsere nächsten Schritte
Unsere Lernreise ist noch lange nicht abgeschlossen.
Wir verstehen unser Lernkonzept als einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess, in dem wir neue Erfahrungen sammeln, unsere Arbeit reflektieren und bestehende Strukturen immer wieder überprüfen.
Was gelingt bereits gut? Wo benötigen unsere Schülerinnen und Schüler noch mehr Unterstützung? Welche Freiräume helfen ihnen dabei, zunehmend selbstständig zu lernen? Und wie können wir das Lerncoaching so gestalten, dass jedes Kind von einer verlässlichen persönlichen Begleitung profitiert?
Diese Fragen werden uns auch in den kommenden Jahren begleiten.
Langfristig wünschen wir uns, dass das Lernkonzept zu einem festen Bestandteil des Lernens an unserer gesamten Schule wird.
Dabei möchten wir nicht nur neue Unterrichtsstrukturen schaffen, sondern gemeinsam eine Lernkultur weiterentwickeln, in der fachliches Lernen, persönliche Entwicklung und vertrauensvolle Beziehungen zusammengehören.
Eine Lernkultur, in der Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten entdecken, Herausforderungen annehmen, eigene Entscheidungen treffen und erleben können, dass sie ihren Lernweg aktiv mitgestalten.
Wir möchten Schule nicht nur als einen Ort verstehen, an dem Wissen vermittelt wird, sondern als einen Ort, an dem junge Menschen wachsen, ihre Stärken entdecken und auf ihrem Weg in die Zukunft begleitet werden.
Daran arbeiten wir gemeinsam – Schritt für Schritt.
Die Lernreise an der FAG – Dein Weg. Deine Ziele. Deine Zukunft.
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