Immer auf dem neusten Stand

„Gesicht zeigen“ – Wenn Geschichten bewegen und Haltung sichtbar wird

Drei Tage lang wurde die Aula der Friedrich-August-Genth-Schule zum Lernort gegen Ausgrenzung und für mehr Menschlichkeit – mit der eindrucksvollen Ausstellung „Gesicht zeigen – Vielfalt sichtbar machen“.

Vom 5. bis 7. November war die Aula der Friedrich-August-Genth-Schule in Wächtersbach kein gewöhnlicher Ort: Sie wurde zum Raum des Zuhörens, des Nachdenkens und des Mitfühlens. Die Ausstellung „Gesicht zeigen – Vielfalt sichtbar machen“ öffnete für drei Tage ihre Türen und zog in dieser Zeit 18 Klassen mit rund 400 Schülerinnen und Schülern in ihren Bann.

Jeweils zwei Klassen pro Doppelstunde besuchten die Ausstellung, sahen Gesichter, lasen Geschichten und spürten, dass hier mehr vermittelt wurde als bloße Information: Es ging um Menschen, um Schicksale, um Erfahrungen mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Mut. Über QR-Codes konnten die Schülerinnen und Schüler noch tiefer in die Lebensgeschichten eintauchen – und viele blieben lange an den Stationen stehen.

Besonders eindrücklich war die Begleitung der Ausstellung durch Niko Deeg, der die Klassen in der Aula empfing. Mit seiner ehrlichen und authentischen Art sprach er zu den Jugendlichen, erzählte von den Erlebnissen bekannter Menschen – unter anderem eines Überlebenden des Anschlags von Hanau – und von den Erfahrungen seiner eigenen Tochter, die kurz nach dem Schulwechsel antisemitische Anfeindungen erlebte, weil man ihren Vater als jüdisch identifizierte. Seine Offenheit berührte viele zutiefst.

„Interessant“, „bewegend“, „traurig“, „erschreckend“ – so beschrieben die Jugendlichen ihre Eindrücke. Doch in den Gesichtern sah man, dass diese Worte kaum ausreichten. Viele verließen die Aula nachdenklich, im Gespräch oder still – aber mit dem Gefühl, etwas Wichtiges verstanden zu haben.

Auch das Kollegium, die Schulsozialarbeit und die Schulleitung waren sich einig: Diese Themen sind heute wichtiger denn je. Den Anstoß für das Projekt gab Alexander Guidi von der Jugendpflege Wächtersbach, der die pädagogische Koordinatorin Carina Schauermann auf die Ausstellung aufmerksam machte. Diese musste nicht lange überlegen – sie erkannte sofort, wie wertvoll das Angebot für die Schulgemeinschaft sein würde, und übernahm kurzerhand die Organisation.

Dank dieses Engagements konnte die Ausstellung an die Schule geholt werden – ein gemeinsames Projekt, das von Kollegium und Schülerschaft gleichermaßen getragen wurde. Die intensive Beteiligung und die ehrlichen Reaktionen der Jugendlichen zeigten, wie sehr die Ausstellung berührte und zum Nachdenken anregte.

Am Ende der drei Tage blieb vor allem eines: Dankbarkeit.

Dankbarkeit für die Begegnungen, für die Geschichten, für das gemeinsame Nachdenken. Viele Jugendliche sagten, sie gingen anders hinaus, als sie hereingekommen waren – nachdenklicher, berührt und entschlossen, selbst ein Zeichen zu setzen.

Schon jetzt steht fest: Diese Ausstellung soll nicht zum letzten Mal an der Schule zu Gast gewesen sein. Denn Vielfalt sichtbar zu machen bedeutet, Menschlichkeit zu leben – Tag für Tag.


 

zurück zur Übersicht