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Abschied von der Friedrich-August-Genth-Schule

Gleich zwei Schulleitungsmitglieder sind seit Beginn des neuen Schulhalbjahres nicht mehr an der Friedrich-August-Genth-Schule tätig. Die Leiterin des Realschulzweiges Rektorin Rosemarie Steinke tritt nach über 40 Jahren Dienst an der Wächtersbacher Gesamtschule in die Freistellungsphase der Altersteilzeit ein. Rektor Thorsten Retzlaff, der Leiter des Hauptschulzweiges, verlässt die Friedrich-August-Genth-Schule und wechselt als stellvertretender Schulleiter an die Anton-Calaminus-Schule in Gründau-Rothenbergen.
In seiner Ansprache würdigt Schulleiter Gerhard Gleis die Verdienste der beiden Lehrkräfte. Rosemarie Steinke sei eine Lehrerin und Rektorin, die sich durch ein hohes Maß an Schülerzugewandtheit und Engagement für die Kinder in ihrem Schulzweig ausgezeichnet hat. Schnell aufgeben sei für Sie in diesem Zusammenhang ein Fremdwort gewesen – auch wenn mit zunehmendem Alter die abwartende Geduld kleiner geworden ist.

Schulleiter Gerhard Gleis, Rektor Thorsten Retzlaff, stellvertretender Schulleiter Erich Neidhardt,
Rektorin Rosemarie Steinke und Personalratsvorsitzender Rüdiger Schäfer (von links nach rechts)

Vierzig Jahre im Schuldienst sei eine bemerkenswert lange Dienstzeit. Vielen Schülerinnen und Schülern sei Frau Steinke in dieser Zeit begegnet, habe sie auf einem wichtigen Stück Weg durch das Leben begleitet und gefördert.
„Frau Steinke stand für eine Schule des Diskurses, für eine Schule der klaren Worte, technische Neuerungen im Bereich der Verwaltung begleitete sie mit einer gewissen Skepsis. Für sie kam es darauf an, dass in den bunten Waggons, die die pädagogische Fracht des Schultages als Symbolisierung der didaktischen Absichten enthielten, auch etwas drin war. Mit bunten Farben alleine waren Sie nicht zufrieden. Sie wollten die Menschen erreichen, ihnen Verantwortung geben und sie so reifen lassen. Nachlässigkeit, laissez-faire und vertröstet werden, waren nicht ihr Ding“, hob Direktor Gerhard Gleis hevor.
Ihr Engagement für den deutsch-französischen Schüleraustausch sei beispielhaft, Frau Steinke habe die Verbindung auch in Zeiten ohne Mails und Faxgeräte nicht abbrechen lassen. Sie habe in all den Jahren durch einen hohen persönlichen Einsatz die Schule hierbei sehr gut vertreten und unterstützt. Auch habe Sie entscheidend dazu beigetragen, dass die Waldschulidee bis heute lebt. Nur wenige wüssten noch, dass die Waldschule mehr als ein Schullandheim sei. Die Waldschule sei das Ergebnis eines unermüdlichen Arbeitseinsatzes von ehemaligen Lehrkräften auch dieser Schule, die während ihrer Ferien ehrenamtlich das Schullandheim mit aufgebaut hätten.
Am 03.01.1972 habe Frau Steinke als Fräulein Rosemarie Böhm im Alter von 22 Jahren, kurz vor dem 23. Geburtstag, als außerplanmäßige Lehrerin im Beamtenverhältnis auf Widerruf an der damals Gesamtschule Wächtersbach ihren Dienst angetreten. Die pädagogische Ausbildung erfolgte in Ihren Fächern Französisch und Biologie. Am 14.03.1977 erfolgten die Ernennung zur Lehrerin und die Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit.
Am 07.05.1999 sei Rosemarie Steinke mit den Dienstobliegenheiten einer Rektorin an einer Gesamtschule – als Leiterin eines Schulzweiges mit mehr als 360 Schülern (Realschulzweig) an der Friedrich-August-Genth-Schule beauftragt worden. Die Ernennung zur Rektorin erfolgte am 23.0.3.2000. Schulleiter Gleis zitierte aus seinem damaligen Würdigungsbericht eine Passage, die auch noch heute Dienstauffassung und dienstliche Leistungen der Rektorin zutreffend kennzeichneten: „Frau Steinke hat ihre Aufgaben mit einem hohen Maß an Sachkompetenz, beeindruckender Einsatzbereitschaft, mit viel Fleiß und äußerst zuverlässig wahrgenommen. Sie hat mit viel Fingerspitzengefühl und der notwendigen Durchsetzungskraft die ihr übertragenen Tätigkeiten überzeugend ausgeführt.“
Die Schulsprecherin Anna-Lena Nickel, Schülerin von Frau Steinke, brachte die Anerkennung der Schülerschaft und ganz persönliche Erfahrungen in einer bemerkenswerten Ansprache zum Ausdruck: „Auch ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Zum einen für den tollen Unterricht, denn Sie waren offen für Ideen, zum anderen für Ihre Unterstützung in meinem Amt. Sie haben mir von Anfang sehr viel Mut gemacht. Sie haben gesagt, dass ich Ihre volle Unterstützung habe und dass ich auf jeden Fall zu Ihnen kommen soll, wenn es Probleme gibt. Mit diesem Wissen, dass ich wirklich nicht alleine dastehe, hat dann doch alles ziemlich gut geklappt. Und ganz besonders hierfür möchte ich mich noch einmal – auch im Namen der Schülervertretung –bei Ihnen bedanken.“ Eine Befragung der Schülerinnen und Schüler der Friedrich-August-Genth-Schule habe ergeben, dass Frau Steinke ein total offenherziger Mensch sei, ihren Unterricht gut organisiere und immer freundlich sei. Auch habe sie den Schülerinnen und Schülern bei privaten Problemen als Gesprächspartner zur Verfügung gestanden, habe immer klare Ziele gehabt und diese auch umgesetzt.
Personalratsvorsitzender Rüdiger Schäfer überbrachte die Grüße und den Dank des Kollegiums und betonte, dass nach jetzt über 40 Dienstjahren eine neue Zeitrechnung beginne, mit mehr Freiheit, bestimmt auch weniger Sorgen, mehr Zeit für sich und die Reisen in die Schweiz, wo die beiden Söhne lebten, die nun nicht mehr auf die Ferien beschränkt sind.
Sei der Eintritt in die Freistellungsphase der Altersteilzeit bei Frau Steinke ein von langem geplanter Schritt gewesen, der auch alle erforderlichen Genehmigungen aufwies, entbehre der Weggang von Rektor Thorsten Retzlaff nicht einer gewissen rechtlichen Problematik, zumal die Tatbestände der Befehlsverweigerung und der Fahnenflucht durchaus ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen müssten.
„Lieber Herr Retzlaff, Sie als ehemaliger Soldat sollten schon wissen, dass man sich nicht ohne Genehmigung der Vorgesetzten aus dem Manövergebiet entfernt. Von mir hätten Sie diese Genehmigung unter keinen Umständen erhalten, weil man erfolgreich tätige Mitarbeiter, die nicht nur versuchen zu Aufgaben, die ihnen präsentiert werden, Lösungen zu finden, sondern auch in der Lage sind, die Aufgaben selbst zu erkennen, eher Mangelware sind,“ scherzte Direktor Gleis nicht ohne ernsten Hintergrund.
Am 27.03.2006 habe Rektor Retzlaff an der Friedrich-August-Genth-Schule seinen Dienst angetreten. Am 12.01.2009 sei Thorsten Retzlaff mit den Dienstobliegenheiten der Funktionsstelle beauftragt und am 15.09.2009 zum Rektor ernannt worden. Vom Schulleiter sei er mit der Leitung des Hauptschulzweiges beauftragt worden.
In meinem Würdigungsbericht des Schulleiters heiße es: „Auf Grund der gezeigten Leistungen und seines überdurchschnittlichen Einsatzes hat sich Herr Retzlaff in der Funktionsstelle in besonderer Weise bewährt.“ Hieran habe sich bis heute nichts geändert, bekräftigte Schulleiter Gleis.
Nun verlasse Rektor Retzlaff die Friedrich-August-Genth-Schule nach sechs Jahren Tätigkeit und werde sich neuen Aufgaben stellen. Er werde von nun an als stellvertretender Schulleiter an der Anton-Calaminus-Schule in Gründau-Rothenbergen tätig sein. Die Friedrich-August-Genth-Schule habe an dieser Stelle Dank zu sagen für sein Engagement, gerade bei den Schülerinnen und Schülern des Hauptschulzweiges. Schulleiter Gleis und Personalratsvorsitzender Schäfer sowie für den Hauptschulzweig Frank Kulke bedankten sich für eine offene Kooperation, große Unterstützung und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in all diesen Jahren.