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SchuB-Abgänger schenken Friedrich-August-Genth-Schule ein Boot

„Wir sitzen alle in einem Boot“ – das Motto der Friedrich-August-Genth-Schule nahmen sich die Abgänger der SchuB-Klasse in besonderer Weise zu Herzen, als sie ihren Abschluss planten.

Das BootEin Projekt sollte es sein, das zu ihnen passt. Etwas, das ihre vermeintlichen Gegensätze in Alter, Kultur und Persönlichkeit ausdrückt und diese Vielfalt gleichzeitig als Grundlage ihrer erfolgreichen Gemeinschaft darstellt. Das SchuB-Konzept des Hessischen Kultusministeriums bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss durch einen erhöhten Praxis- und Berufsbezug zu erreichen. In zwei Schuljahren bei wöchentlich zwei Tagen in Betrieben sollen die Schülerinnen und Schüler für die Abschlussprüfungen qualifiziert werden und den Betrieben zeigen, dass sie die Chance verdienen, in ein Ausbildungsverhältnis eintreten zu können. „Dieses Konzept nach unseren Erfahrungen ist richtig und erfolgreich, weil es jungen Menschen eine Chance gibt, einen Beruf zu erlernen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken“, erklärte Schulleiter Gerhard Gleis.
Schließlich, so betont der Klassenlehrer Herr Frank Kulke voller Stolz, haben alle dreizehn Schülerinnen und Schüler trotz anfänglicher Negativprognosen einen Hauptschulabschluss erreicht, acht von ihnen sogar einen qualifizierenden.
Fast 40% beginnen im Sommer eine Ausbildung. Sicher ist dies auf das besondere Konzept der SchuB-Klassen zurückzuführen, bei dem eine individuelle Förderung und sozialpädagogische Begleitung durch Frau Birgit Weß-Schreiweis Stärken der Schüler offenlegte. Viele von Ihnen haben dies auch genutzt und ihre Talente in den wöchentlichen Praxistagen bewiesen. So sollte es auch im Abschlussprojekt sein. Es musste etwas Großes sein, etwas, das man ihnen nicht sofort zutrauen würde. Ein Projekt, bei dem sie – auch stellvertretend für alle Hauptschüler – zeigen konnten, was in ihnen steckt.
In Tatjana Kratz, einer sehr kreativen und engagierten SchuB-Schülerin, reifte schon seit geraumer Zeit ein Plan. Sie argumentierte gegenüber der Schulleitung, dass ihre Klasse handwerklich gut drauf und immer zu einer praktischen Art von Unterricht aufgelegt sei.

Das Boot II

Für ihre Idee eines „Freiluftklassenzimmers“ in Bootsform musste sie nicht lange werben. Schnell fand sie unter ihren Klassenkameraden weitere tüchtige Handwerker. Auch bei den Lehrern und bei Direktor Gerhard Gleis rannte sie offene Türen ein. Die Finanzierung war durch Herrn Gleis in dem Augenblick geklärt, als ihre Gruppe bereits nach drei Tagen Planung ein Maßstabsmodell und sämtliche Materialberechnungen vorlegte. „Gute Leute, die etwas Gutes wollen und können, werden an der Friedrich-August-Genth-Schule jederzeit unterstützt.“

Neben Tatjana bereiteten noch Eduard Widemann, Maksim Poltoranin und Xue Hai Yu den Senkrechtstart ihres Projektes an einem ihrer Praktikumsstandorte bei der Firma Cobra Bandstahl GmbH in Wächtersbach vor. Hier wurden sie hervorragend und hochmotivierend durch Herrn Thomas Ritter und Herrn Frank Henß unterstützt.
Anfängliche Zweifel, ob das Projekt zu groß, zu teuer, zu schwierig sei ohne die Planung eines Schreinermeisters oder eines Zimmermanns, zerstreuten sich bald.
Frau Weß-Schreiweis und SchuB-Klassenlehrer Kulke waren sofort begeistert und so begannen die ersten Schüler bereits in den Winterferien den Bau des „Bootes“.
Der Rest der Klasse, allen voran Muhammed Soysal, Jonathan Tesfamariam und Kreissieger des Mathematikwettbewerbs 2010 Mateusz Wachowski, stiegen in den letzten Schulwochen mit ins Boot und bekräftigten so das Schulmotto.
Der Dank des Klassenlehrers richtete sich zu einer kleinen Einweihungsfeier an den Hausmeister, Herrn Dzon Kecenovic und an die Firma Cobra, stellvertretend für alle ortsansässigen Betriebe, die SchuB-Schüler immer wieder nach Kräften unterstützen.
Das Kollegium, besonders der Hauptschulzweigleiter Thorsten Retzlaff, selbst überzeugter SchuB-Lehrer, lobte vor allem den sozialen Aspekt der Idee und den herausragenden Einsatz der Bootsbauer. Schulleiter Gleis betonte zur Schiffstaufe, dass es in der Geschichte der Friedrich-August-Genth-Schule wohl nie ein bemerkenswerteres und anspruchsvolleres Projekt einer Klasse gab als dieses. „Dank der SchuB-Klasse können wir jetzt bei schönem Wetter im Freien unterrichten und das Boot für Klassenfeiern nutzen.