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2129 Kilometer, um Geschichte zu verstehen und nicht zu vergessen

Über das Himmelfahrtswochenende unternahm die Friedrich-August-Genth-Schule eine ganz besondere Studienreise nach Frankreich. Vier Tage lang informierten sich 41 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 des Gymnasialzweiges sowie die begleitenden Eltern Anja Weber, Dieter Buchholz und Axel Farr über die Geschichte des Ersten und Zweiten Weltkriegs direkt „vor Ort“.

Durchgeführt wurde dieses Projekt unter Leitung von Gabriele Benner-Dickert und Godehard Goralewski, Französisch- und Geschichtslehrer der Genth-Schule in Wächtersbach. Ziel der Reise war es, Gedenkstätten des 1. und 2. Weltkrieges zu besichtigen, um sich so mit der Historie Frankreichs und Deutschlands auseinanderzusetzen und sich vor allem der schrecklichen Geschehnisse der beiden Weltkriege bewusst zu werden.

Die erste Etappe führte nach Verdun, wo über 800.000 Soldaten ihr Leben verloren. Auf dem Soldatenfriedhof verlasen die Schüler und Eltern Briefe von gefallenen französischen und deutschen Soldaten, die diese kurz vor ihrem Tod nach Hause geschrieben hatten. Zum Abschluss entzündeten die Teilnehmer in der dortigen Kapelle einige Grabkerzen. „Ich fand, die Fahrt war aufwühlend und hat mich zum Nachdenken über das Geschehen während der Kriege gebracht“, stellte Alina fest. Auch Cyrus und Ranel fanden die Fahrt „beeindruckend“. „Vor allem der erste Reisetag und der Besuch des Beinhauses hat uns die Grausamkeit der Kriege vor Augen geführt. Deshalb sollte die heutige Generation alles tun, um einen weiteren Krieg zu vermeiden.“

Am nächsten Tag stand in Caen die Besichtigung des „Mémorial de Caen“, einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Programm. Grundgedanke des Museums ist der Geist der Versöhnung, der durch eine Zeitreise in die nahe Vergangenheit entstehen soll. Moritz meinte: „Ich fand die Reise sehr interessant und bildend, da sie mir deutlich vor Augen geführt hat, wie die Situation im Krieg war. Dies war viel intensiver als im Geschichtsunterricht.“

Am folgenden Tag fuhr die Gruppe zum amerikanischen Friedhof in Colleville-sur-Mer, bekannt unter dem Namen Omaha-Beach, und an die Küste nach Arromanches zur Besichtigung der Landungsstrände vom 06. Juni 1944. Auch lasen Schüler zum Gedenken an die gefallenen Alliierten Briefe von Soldaten verschiedener Nationen vor. Rebecca fand es „gut, Frankreich zu besuchen und mich vor Ort mit den schrecklichen Ereignissen auseinanderzusetzen. Ich war und bin beeindruckt und die Reise hat mich zum Nachdenken angeregt.“

Der letzte Tag der Studienfahrt führte nach Compiégne, wo das „Mémorial de l’internement et de la déportation Camp de Royallien“ besichtigt wurde, an dem Schüler, Eltern und Lehrer in einer Schweigeminute der sechs Millionen getöteten Juden in der Zeit des Nationalsozialismus gedachten.  Den Abschluss bildete der Besuch des Eisenbahnwaggons im Wald von Compiégne, wo der erste und zweite Waffenstillstand (1918 und 1940) unterzeichnet wurden.

Die viertätige Reise bot zudem den Teilnehmern die Möglichkeit, mithilfe von literaturhistorischen Referaten die Sehenswürdigkeiten von Reims, Caen, Bayeux, Rouen und Compiégne zu erschließen.

Das Lehrerteam dieser Projektfahrt dankt den Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern für ihr Engagement zur Gestaltung dieser Studienfahrt, welches wesentlich zu deren Gelingen beigetragen hat. So stellte Herr Axel Farr abschließend fest: „Ich finde es wichtig, dass man sich mit der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts beschäftigt und ich fand dazu auf dieser Fahrt viele Gelegenheiten.“