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Intensivklassen dienen der Integration

Der Unterricht in den beiden Intensivklassen an der Friedrich-August-Genth-Schule, der in erster Linie von den beiden Lehrkräften Gerhard Eidt und Daniel Unkrich geplant wird, richtet sich an Schülerinnen und Schüler mit keinen bis geringen Vorkenntnissen in der deutschen Sprache. Die Lerngruppen sind sehr heterogen zusammengesetzt. So kommen in den Intensivklassen Lernende zwischen 10 und 17 Jahren zusammen, die über keine Deutschkenntnissen oder bis eineinhalb Jahren Deutschunterricht in der Intensivklasse verfügen. Der Stundenplan sieht 24 Stunden Deutsch und zwei Stunden Sport vor. Im Zentrum des Deutschunterrichtes steht das Erlernen der deutschen Sprache und der Rechtschreibung anhand von Alltagssituationen. Unterrichtet werden die Klassen von insgesamt vier Lehrpersonen. Ziel der Lernenden in den Intensivklassen ist es, grundlegende Deutschkenntnisse zu erlernen, um möglichst schnell und erfolgreich in eine Regelklasse wechseln zu können.

Im Rahmen von individuellen Wochenplänen bearbeiten die Lernenden in möglichst homogenen Kleingruppen die Module aus den Lehrbüchern selbstständig. Das selbstständige Lernen wird durch den gleichen Aufbau der Module begünstigt. Für die Arbeit am Wochenplan stehen den Schülerinnen und Schülern täglich zwei fest im Stundenplan aufgeführte Doppelstunden zur Verfügung. Im Rahmen der Wochenplanarbeit wird jeder neue Grammatikschwerpunkt in Kleingruppen zusammen mit der Lehrperson erarbeitet. Darauf folgt eine selbstständige Übungsphase. Die Übungen werden sowohl von den Lernenden eigenständig mit Hilfe von Lösungen korrigiert als auch von der Lehrperson. Am Ende jedes Moduls steht ein Modulabschlusstest, dieser gibt der Lehrperson Rückschlüsse darüber, in welchen Teilbereichen die Lernenden zusätzliche Übungsangebote benötigen.

Im Mittelpunkt der Sprachförderung steht neben den festen Einzelförderungen auch der mündliche Gebrauch der Sprache, wie beispielsweise in Partnerarbeitsphasen, ritualisierten Erzählkreisen und bei gegenseitigen Hilfestellungen bei der Bearbeitung der Module im Wochenplan. Zudem werden viele mündliche Gesprächsanlässe geschaffen, die die Schülerinnen und Schüler dazu nutzen können, um ihren mündlichen Sprachgebrauch zu trainieren und Ängste vorm Sprechen abzubauen. Der gegenseitige Respekt und die Achtung untereinander erlauben ein vertrauensvolles Miteinander. Dies hat eine angenehme Lernatmosphäre zur Folge, in der sich die Lernenden zu einem Thema äußern oder aus ihrer Lebenswelt erzählen können. Sie bauen hierdurch die Kompetenz des Sprechens und Zuhörens aus.

Neben der zentralen Arbeit mit dem Wochenplan zum Erlernen der deutschen Sprache werden immer die theoretischen Lerninhalte mit alltäglichen Situationen zu verknüpft:

 

·     So wurde zum Beispiel im Rahmen des Themenfeldes Uhrzeiten ein Unterrichtsgang zum Bahnhof und Busbahnhof unternommen. Hierbei erklärten die Schülerinnen und Schüler, die sich gerade mit der Uhrzeit beschäftigten, den anderen Lernenden vor Ort, wie man einen Fahrplan richtig liest.

·      Im Rahmen des Themas „Was isst du in der Pause?“ wurde mit der Klasse zusammen ein Frühstück organisiert. Zuerst wurden Einkaufslisten erstellt, dann wurden in Supermärkten Preise verglichen, es wurde zusammen eingekauft und am Ende wurde in der Schulküche gemeinsam das Frühstück zubereitet und zusammen gefrühstückt.

Neben dem Erlernen der deutschen Sprache wird die Integration gefördert. In diesem Zusammenhang findet immer wieder eine Kooperation mit Regelklassen statt:

·     Im Sportunterricht wird regelmäßig mit anderen Klassen parallel gearbeitet, um mit und gegen andere Klassen zu spielen. Aktuell wird die Unterrichtseinheit „Streetball“ parallel mit einer neunten Klasse durchgeführt. Hierbei ist gut zu beobachten, wie rasch beiderseitige Vorurteile abgebaut werden und wie es über den Sportunterricht hinaus vermehrt zu Kommunikationen in deutscher Sprache zwischen den Lernenden kommt.

·     Im Rahmen der aktuellen Flüchtlingsdebatte findet eine Zusammenarbeit zwischen Intensiv- und Regelklassen im Rahmen von Interwies statt. Schülerinnen und Schüler der Regelklassen erarbeiten in ihrem Politikunterricht Fragen, die sie zum Thema Flüchtlinge interessieren. Diese Fragenkataloge gehen an die Intensivklassen, dort bereiten sich Lernende auf freiwilliger Basis auf ein Interview vor. Sie erarbeiten sich mit materieller
und personeller Unterstützung die Frageinhalte und bereiten Antworten auf die Fragen vor. Nach der Vorbereitung erfolgt eine Einladung der Regelklassen an die Lernenden der Intensivklassen. Hierbei kommt zu einem Interview, in dem die Lernenden der Intensivklasse den anderen Schülerinnen und Schüler auf ihre Fragen antworten. Im Rahmen dieser Interviews ist gut zu beobachten, wie motiviert die Lernenden der Intensivklassen die Fragen beantworten. Die Zahl der vielen Freiwilligen, die interviewt werden möchten, unterstreicht die große Motivation. Im Rahmen der persönlichen Berichte gelingt es sehr gut, bestehende Vorurteile abzubauen und die Lernenden der Regelklassen und der Intensivklassen zusammenzuführen.

Die Kooperation mit den Regelklassen fördert nicht nur die Integration sondern ermutigt die Schülerinnen und Schüler der Intensivklassen dazu, vermehrt deutsch zu sprechen. Darüber hinaus erkennen sie, wie wichtig das Erlernen der deutschen Sprache für ihren Alltag ist und sehen den Bezug zwischen den theoretischen Lerninhalten und der Realität.