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„Aufstehen gegen Extremisten!“

Ein gemeinsames Vorgehen gegen extreme Gruppierungen forderten die Vertreter der Religionen und der Stadt Wächtersbach auf der ersten interreligiösen Podiumsdiskussion an der Friedrich-August-Genth-Schule.

Nach den Anschlägen in Frankreich wurden von der Schulleitung Gesprächspartner zu einem interreligiösen Tag am 15. Juli 2015 eingeladen: als Vertreterin der evangelischen Kirche Pfarrerin Beate Rilke, als Vertreter der muslimischen Gemeinde die Imame Halil Güneş und Yaşar Şahin und deren Übersetzer Eset Mavinehir, Bürgermeister Andreas Weiher als Vertreter der Stadt Wächtersbach, Joschua Neeb als Vertreter der Schülerzeitung Express und Emirhan Baskaya als Vertreter der muslimischen Schüler. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Oberstudienrat Maurice Pinkert.

Die Idee zu diesem Projekt hatten die Referendare Angelika Klenz und Florian Klein im Rahmen ihrer Ausbildung. Nicht verkürzte mediale Darstellungen zum Islam oder unreflektierte Vorurteile, sondern fundierte Grundlagen und das Gespräch miteinander sollten den Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit geben, sich selbst eine reflektierte Meinung zu bilden. Unterstützt von der Schulleitung und dem Kollegium befragten die beiden Referendare die Schülerinnen und Schüler der zehnten Gymnasialklassen nach ihren Fragen bezüglich Religionen. Viele Fragen stellten die Schülerinnen und Schüler zum Islam, sodass sich insgesamt vier Themenschwerpunkte herauskristallisierten: Religiöser Extremismus am Beispiel der Salafisten, Rechte und Pflichten in den Religionen, Die Rolle der Frau und Die Moschee als Beispiel eines religiösen Gebäudes. Unter Leitung von Studienrätin Cora-Maria Lehr und Studienrat Mario Wagner, den Referendaren Angelika Klenz und Florian Klein, Studienrätin Ramona Walz und Lehrer Josef Tögel sowie Studienrätin Maja Wiemann und Lehrerin Karin Gerhardt-Hoell erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler in Workshops wesentliche Grundlagen für die heutige Diskussion, die sie in Form von Informationstafeln um die Aula herum ausstellten.

„Wir glauben an einen Gott, der nicht geschaffen und gezeugt wurde. Ziel ist es im Islam, den Menschen glücklich zu machen!“, fasste Halil Güneş die Grundlagen des Islam kurz zusammen. „Im Christentum ist der Glaube an den einen Gott, der sich in Jesus und dem Heiligen Geist zeigte und zeigt und der die Liebe ist, unsere Grundlage“, kurz gesagt, „Gott ist Liebe!“, erklärte Pfarrerin Rilke. Die Anschläge von Frankreich waren nicht nur Anlass für die Diskussion, sondern auch Titelthema der Schülerzeitung. Verändert habe sich hier seitdem nicht viel: Zwar habe man vermehrt Abfälle an der Moschee festgestellt, aber in der Schule sei das Leben unverändert weitergegangen. „Wächtersbach ist vorbildlich in der Zusammenarbeit, hat sogar einen demokratisch gewählten Ausländerbeirat und die Chemie stimmt zwischen allen Beteiligten!“, betonte Bürgermeister Weiher für die Stadt. Einig waren sich alle, dass die Religion von Extremisten missbraucht werde. „Religion muss sich gegen Extremisten erheben!“, forderte Pfarrerin Rilke, „und da erwarte sie klare Antworten von Seiten der Muslime!“ „Die Leute sind keine Muslime, sie verstehen den Islam falsch!“, antwortete Imam Güneş, „Deshalb braucht man eine gute Bildung und Erziehung.“ „Der islamische Religionsunterricht ist eine gute Idee, selbst wenn noch viele Fragen ungeklärt sind“, sagte Pfarrerin Rilke. „Eben,“ stimmte ihr Imam Güneş zu „und es sollte auch christlichen Religionsunterricht in der Türkei geben.“ Joschua Neeb resümierte: „Wir arbeiten hier in Wächtersbach harmonisch zusammen.“

„Das klingt mir alles zu harmonisch. Warum gibt es denn PEGIDA und solche Leute?“, mischte sich eine Schülerin in die Diskussion ein. „Es wird immer Menschen geben, die unbelehrbar sind,“ antwortete Pfarrerin Rilke darauf. Insbesondere über PEGIDA äußerte sich die Pfarrerin sehr deutlich: „Ich könnte kotzen, wenn ich das sehe!“ Auch sie habe nach deutlichen Worten gegen PEDIDA schon unschöne Reaktionen erlebt und Briefe bekommen, aber sie setzte sich weiterhin für Religionsfreiheit ein.

„Und was tun sie gegen Anwerbung von jungen Menschen?“ Bildung und Gespräche seien die einzigen Möglichkeiten dagegen. „Die jungen Leute sind religiöse Analphabeten!“, stellte Imam Güneş fest. „Aufklären muss man auch über die digitalen Medien und deren Gefahren, so wie das hier die Digitalen Helden versuchen“, forderte Bürgermeister Weiher, „ Die jungen Leute werden vor allem durch youtube-Videos gewonnen.“

Viel zu schnell endete die spannende Diskussion, der die Schülerinnen und Schüler, einige Lehrer und einzelne Gäste gespannt lauschten. Danach waren sich alle einig: „Derartige Dialog-Veranstaltungen sollten wir öfter machen!“

 

Bilder:

oben links:  Teilnehmer der Podiumsdiskussion (Joschua Neeb, Pfr. Rilke, Bgm. Weiher, OStR Pinkert, Imam Güneş, Übersetzer Mavinehir, Imam Şahin, Emirhan Baskaya - v.l.n.r.)

unten:  Auditorium aus Gymnasiasten der zehnten Klassen