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Wie funktionieren die internationalen Finanzmärkte?

Vortrag eines Experten an der Friedrich-August-Genth-Schule

Wächtersbach. An der Friedrich-August-Genth-Schule fand eine Vortragsveranstaltung mit dem Titel „Die Finanzmärkte im Wandel der Zeiten“ statt. Dazu war Horst Senzel, leitender Mitarbeiter einer Frankfurter Großbank, an die Wächtersbacher Schule gekommen und sprach mit Schülern der 10. Gymnasialklassen.

„Inflation, Deflation, Schulden, Pleite, Grexit – diese Schlagworte geistern seit langem durch die Presse, doch nur wenige verstehen die Vorgänge in der europäischen und internationalen Finanzwelt.“ Mit diesen Worten leitete Herr Senzel seine Präsentation ein, die den anwesenden Schülern eine Art Basiswissen über die Geschichte des Geldes und der das Geld betreffenden Märkte verschaffen sollte.

So wurde zunächst deutlich gemacht, dass Papiergeld eine sehr junge „Erfindung“ darstellt, nachdem über Jahrhunderte nur Edelmetalle wie Gold und Silber als Zahlungsmittel verwendet wurden. Anknüpfend daran fand sich auf den ersten Dollar-Scheinen noch der Hinweis, so der Referent, dass die Banknote jederzeit in Gold- oder Silbermünzen eingelöst werden könne. Papiergeld stellte also zunächst so etwas wie einen „Verwahrschein“ dar.

Im weiteren Verlauf des Vortrags wurde den Schülern deutlich gemacht, wofür ein Staat überhaupt Geld benötigt und wie er sich dieses beschafft. Neben den Steuereinnahmen kommt hier die Staatsverschuldung ins Spiel: Staaten geben z.B. Anleihen aus, um sich auf dem Finanzmarkt mit Geld zu versorgen, wobei hier zu unterscheiden ist zwischen Geldmarkt und Kapitalmarkt. Die Folge ist eine Staatsverschuldung. Hier wurden den Zuhörern auch konkrete Zahlen genannt: So beträgt der aktuelle Schuldenstand der USA 12,7 Billionen Euro; Deutschland kommt auf 2,2 Bio., Griechenland beispielsweise „nur“ 0,3 Bio. Euro – immerhin 300 Mrd. Euro.

In diesem Zusammenhang ging der Referent auch auf die Entwicklung der Finanzkrise ein: 2007 Subprime-Krise in den USA, 2008 Lehman-Pleite, 2011 Schuldenschnitt für Griechenland, jetzt Ende Juni drohender Staatsbankrott Griechenlands – es wurde deutlich, dass einzelne Ereignisse nicht singulär betrachtet werden können, sondern immer im Zusammenhang.

Herr Senzel behandelte nun noch weitere Aspekte der Thematik: „Im täglichen Zahlungsverkehr spielt der eigentliche Warenhandel verglichen mit anderen Geldbewegungen jedoch nur eine sehr kleine Rolle“, so Senzel, der folgende Zahlen nannte: Pro Tag bewegen sich 22 Milliarden Euro im Rahmen des Weltwarenverkehrs, im Währungshandel sind dies bereits1480 Mrd, der sog. Derivatehandel macht einen Umsatz von sage und schreibe 3000 Mrd. Euro aus – Zahlen, die die Schüler nachhaltig beeindruckten.

Doch wer überwacht und steuert diese Geldströme? Die Zuhörer erfuhren hierzu Näheres über die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Organe, ihre Aufgaben und ihr Primärziel, nämlich die Preisstabilität. Neu hinzugekommen ist, dass die EZB auch Maßnahmen ergriffen hat und ergreift, um die aktuelle Finanzkrise einzudämmen, etwa den Kauf von Staatsanleihen.

Die Schüler der 10. Klassen hatten sich auf diese Präsentation im Rahmen des Politikunterrichts gut vorbereitet. So konnten sie im zweiten Teil der Veranstaltung gezielt Fragen stellen, zum Beispiel: Ist Gold das bessere Geld? Ist Sparen überhaupt noch sinnvoll? Welche Folgen würde ein Griechenland-Austritt (Grexit) haben? Wie lange wird es den Euro überhaupt noch geben? Ist dieser für Deutschland überhaupt von Vorteil?

Herr Senzel konnte als Fachmann, der an seinem Arbeitsplatz unmittelbar mit diesen Vorgängen zu tun hat, diese Fragen qualifiziert beantworten. Er betonte die Vorteile eines vereinten Europas und einer gemeinsamen Währung, insbesondere für Deutschland, das im Moment mit sehr guten Wirtschaftszahlen glänze.

Bei den Schülern kam besonders gut an, dass der Referent „Fachchinesisch“ weitestgehend vermied, sondern sich so ausdrückte, dass alle gut folgen konnten. In den nächsten Unterrichtsstunden soll nun noch eine Nachbereitung stattfinden, damit alle einen möglichst großen Gewinn aus der Veranstaltung ziehen können.