Beiträge

Ein erfolgreiches Jahr FSA im gymnasialen Zweig an der

Friedrich-August-Genth-Schule

 

Ziel: Unterrichtsentwicklung mit Eltern, Schülern und Lehrern

Wenn die Schülerinnen und Schüler der 5g am Montag Morgen in ihren Klassenraum in der Wächtersbacher Friedrich-August-Genth-Schule kommen, finden sie eine für sie vorbereitete Lernumgebung vor: Wochenpläne hängen aus, Arbeitsblätter, Folien sowie spielerische Lernformen, etwa LÜK-Kästen und Lochkartenquiz, liegen bereit. Diese Schülerinnen und Schüler haben sich für die Unterrichtsform der FSA (Freie Selbstständige Arbeit) entschieden, die im Realschulzweig bereits auf fünf Jahre Erfahrung zurückblicken kann und die seit dem laufenden Schuljahr auch für eine Pilotklasse im gymnasialen Zweig angeboten wird. Nach einem dreiviertel Jahr Freier Selbstständiger Arbeit im gymnasialen Zweig der Friedrich-August-Genth-Schule können alle Beteiligten eine positive Bilanz ziehen. So findet das Konzept überzeugte Anhänger und wird in Jahrgangsstufe 6 weitergeführt. Im kommenden Schuljahr können mindestens eine, eventuell  aufgrund der großen Nachfrage sogar zwei FSA-Klassen im gymnasialen Zweig neben zwei traditionell geführten Klassen eröffnet werden. Auch im Realschulzweig ist eine Weiterführung, neben einer traditionell geführten Klasse, geplant.

 

Wie sieht der Alltag und die wöchentliche Praxis aus?

In der Freien Selbstständigen Arbeit (FSA) werden die Schülerinnen und Schüler angeleitet eigenverantwortlich zu lernen, ihre Arbeit selbst zu planen und durchzuführen. Ihr persönlicher Wochenplan, der in das FSA-Heft eingetragen wird, hilft ihnen bei der Organisation und gibt Kindern wie auch Eltern eine Übersicht über die zu bearbeitenden Aufgaben sowie Differenzierungsmöglichkeiten. Während der vier FSA-Stunden (in Mathematik und Deutsch) der laufenden Woche arbeiten die Schülerinnen und Schüler selbstständig und eigenverantwortlich an ihren Aufträgen. Gegenseitige Hilfestellungen (Soziales Lernen) sowie eine individuelle Hilfestellung durch die Lehrkraft stellen hier Gewinne der Methode dar. Was man bearbeitet hat, landet in dem entsprechenden Ablagekasten oder direkt bei dem  zuständigen Lehrer.  Nach der Woche bekommen alle Schülerinnen und Schüler eine individuelle Rückmeldung über das Geleistete in ihre FSA-Hefte sowie in regelmäßigen Abständen Feedbackbögen über das individuelle Lern- und Arbeitsverhalten.

Organisation im gymnasialen Zweig

Im Sinne einer gemeinsamen Schulentwicklung von Lernenden, Eltern und Lehrkräften beginnt die FSA in der Jahrgangsstufe 5 im gymnasialen Zweig zunächst mit je zwei Stunden Deutsch und Mathematik in der FSA. Das bedeutet: Vier Stunden der regulären Stundentafel sind  FSA-Stunden bei den jeweiligen Fachlehrerinnen und -lehrern. Auch im Realschulzweig wird mit wenigen Stunden begonnen, die nach und nach ausgeweitet werden. Nach den ersten Erfahrungen sowie einer gemeinsamen Reflektion durch Schüler/-innen und Lehrkräfte wird zusammen mit den Eltern über die Art der Weiterführung des Konzepts im zweiten Halbjahr abgestimmt. In der jetzigen 5g, der gymnasialen Pilotklasse unter der Leitung von Studienrätin Christine Boss, bedeutete das für die ganze Jahrgangsstufe 5 vier Stunden FSA, in Klasse 6 kommt aufgrund des gemeinsamen Beschlusses von Eltern, Schülern und Lehrkräften eine Stunde Englisch zur FSA dazu. In der 5d (Realschulzweig) unter der Leitung von Lehrerin Cathrin Ehrhardt beschloss man insgesamt sieben Stunden (je zwei in Mathematik, Deutsch, Englisch und eine in Biologie).

 

Reflektierende Begleitung der Pilotklasse/Positive Bilanz

Im laufenden Schuljahr ist es an der Friedrich-August-Genth-Schule erstmals möglich, FSA-Klassen mit den traditionell geführten Klassen zu vergleichen. Dabei ist deutlich geworden, dass FSA einen anderen, ebenfalls erfolgreichen Weg zum selben Ziel darstellt: Es wird dasselbe gelernt, dasselbe in Klassenarbeiten abgeprüft und die Ergebnisse der Lernstandskontrollen zeigen im Vergleich zu den anderen Klassen vergleichbare Leistungen. Das System FSA hat sich innerhalb des ersten Halbjahres eingespielt und gefestigt.

Vergleiche durch Lehrkräfte, die in FSA- und nicht-FSA-geführten Klassen unterrichten, zeigen: In der Pilotklasse FSA herrscht eine gute Arbeitsatmosphäre in selbstständigen Arbeitsphasen (auch außerhalb der FSA); es wird insgesamt etwas schneller gearbeitet, da die Klasse zielgerichtet  mit den Aufträgen anfängt und weniger Fragen zu schriftlich formulierten Aufgabenstellungen hat. Auch die gegenseitige Hilfestellung läuft in der FSA-Klasse sehr routiniert ab, welche insgesamt ein sehr positives Sozialverhalten zeigt.

Aus der Sicht der in der FSA unterrichtenden Lehrkräfte ist dem hinzuzufügen, dass im FSA-organisierten Unterricht Differenzierung, individuelle Hilfestellung sowie eine individuelle Rückmeldung leichter möglich sind und dass die Lernmotivation als besonders hoch wahrgenommen wird, was nicht zuletzt an den durch den organisatorischen Rahmen ermöglichten spielerischen Methoden liegt. Sorgfalt und Selbstorganisation als Schlüsselkompetenzen werden hier in besonderem Maße trainiert.

„Wir wollen hier Unterrichtsentwicklung in enger Abstimmung und im Einvernehmen zwischen Schülern, Eltern und Lehrkräften betreiben“, erklärte Schulleiter Gerhard Gleis. Nichts werde verordnet. Nur wenn alle Beteiligte damit einverstanden seien, werde die Anzahl der Unterrichtsfächer in der FSA ausgeweitet. „Zudem ist eine begleitende Evaluation durch die verantwortliche Lehrkraft unverzichtbar,“ betonte auch Oberstudienrat Maurice Pinkert, der Leiter des Gymnasialzweiges.