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"Jedem das Seine" - 10g der Friedrich-August-Genth-Schule im KZ Buchenwald

Mitte April hieß es für die Klasse 10g der Friedrich-August- Genth Schule ein letztes Mal Koffer packen, bevor sich im Sommer diesen Jahres ihre Wege trennen. Auf ging es zu einer dreitägigen Studienfahrt ins beschauliche Weimar.

Im Fokus des Ausflugs stand der Besuch im Konzentrationslager Buchenwald, welcher bereits im Geschichtsunterricht zuvor vorbereitet worden war. Doch bevor die 31 Abgänger sich ein Bild von den Gräueltaten des Nationalsozialismus machen konnten, informierten sie sich zunächst in einer Stadtführung über die Geschichte Weimars. Vorbei an Goethe- und Schillerhaus ging es zurück in die Jugendherberge Germania, wo die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihrem Klassenlehrer Gerhard Gleis und Studienrätin Martina Walter den Abend gemütlich ausklingen ließen, bevor der geschichtsträchtige Tag beginnen sollte.

Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus auf den etwas über Weimar gelegenen Ettersberg, wo von 1937 bis 1945 im Konzentrationslager Buchenwald die für uns heute unvorstellbaren Grausamkeiten ausgeübt worden waren. Nach einem kleinen Einstiegsfilm wurde die Schülergruppe über das Gelände geführt und konnten das sehen, wovon sie Wochen zuvor nur gehört hatten. Und sogar auf dem Gelände selbst fiel es den meisten von ihnen noch schwer, das nachzuvollziehen, was einst geschehen war. Ein leeres Gelände, welches vor 50 Jahren so voll gewesen sein muss. Völlige Stille, wo es vor 50 Jahren so laut gewesen sein muss. All dies wirkte einschüchternd und die eisige Kälte auf dem Ettersberg sorgte abermals dafür, dass dieses Gefühl noch verstärkt wurde. Erschreckend empfanden es die Schüler vor allen Dingen, dass auf der einen Seite des Zaunes die SS-Soldaten mit ihren Familien lebten, einen Privatzoo unterhielten und sich amüsierten, während auf der anderen Seite, nur getrennt durch ein Tor mit der Innschrift "Jedem das Seine", die Menschen nicht nachvollziehbares Leid erlitten hatten. Unter den schlimmen, unmenschlichen Bedingungen wurden hier politische Gegner, Homosexuelle und Juden für wissenschaftliche Versuche missbraucht und zu Tode gequält. Doch wer während der Führung noch kein Verständnis für die Grausamkeit entwickeln konnte, verstummte spätestens beim Betreten des Krematoriums. Ohne ein Wort zu sagen, betraten die Schüler das Gebäude, dessen Kamin bis 1945 ununterbrochen gebrannt hatte und so unzählige Leichen undschuldiger Menschen eingeäschert worden waren. Die Öfen sind noch heute vollständig erhalten und man konnte den Schülerinnen und Schülern anmerken, wie ihnen die Luft wegblieb bei dem Gedanken dort zu stehen, wo einst Menschen gestorben waren. Der Schrecken war ihnen ins Gesicht geschrieben.

Als alle Fragen beantwortet waren, hatten die Wächtersbacher ein wenig Zeit für sich, um das Gesehene zu verarbeiten und sich selbst eine Meinung darüber zu bilden. Dies konnte bei einer Kunstaustellung, deren Werke im KZ selbst entstanden waren, geschehen.

Heute können wir die Taten der Nationalsozialisten nicht mehr rückgängig machen, aber es ist wichtig aus ihnen zu lernen und sich ihrer bewusst zu werden. Wir alle müssen eine Wiederholung dessen verhindern und der Besuch im KZ leistete einen Beitrag dazu, sich einmal mehr Gedanken darüber zu machen.