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Deutscher Meister im Nähen

Kreis-Schuldezernent Matthias Zach ehrt den Kurs von Martina Beringer für den Sieg

 

Besondere Leistungen verdienen eine besondere Würdigung. Eine solche Leistung vollbrachte der Nähkurs, den Martina Beringer nachmittags an der Friedrich-August-Genth-Schule anbietet. Die Schülerinnen hatten mit viel Kreativität ein Afrika-Gewand gefertigt, dass nicht nur sie selbst begeisterte, sondern auch die Jury des bundesweiten Wettbewerbs zum textilen Gestalten unter dem Motto „Hülle & Fülle“, den der Fachverband „Textil & Mode“ veranstaltete. Matthias Zach, der Schuldezernent des Main-Kinzig-Kreises würdigte die besondere Leistung der Wächtersbacher Schülerinnen.

Kursleiterin Martina Beringer erläuterte, wie es zum „Afrika-Gewand“ und der Teilname am Wettbewerb kam.

In vielen afrikanischen Ländern leben tausende Menschen, darunter viele Kinder, vom Rohstoffhandel. Sie durchsuchen hochgiftige Müllhalden nach Elektroschrott und leben von dem Geld, das sie etwa für Aluminium, Kupfer oder Eisen bekommen. In die Schule gehen die wenigsten dieser Kinder, trotz Schulpflicht.

Das ließ Martina Beringer nicht kalt und sie beschloss, sich gemeinsam mit ihren jungen Näherinnen dem Thema zu widmen. Recycling, Wiederverwertung und die damit verbundene Schonung von Ressourcen zum Schutz der Umwelt stand bislang im lokalen Kontext, doch die Aktion „Gewänder vieler Länder“ öffnete den Blick für den globalen Textilkreislauf.

In einer Gruppenarbeit von Schülerinnen aus den fünften bis zehnten Klassen entstand ein Gewand, das die einzelnen Schritte des Verarbeitungsprozesses bis zu der Entsorgung in Afrika verfolgt. Das Gewand ist erschaffen aus vielen einzelnen Stückchen Stoff in warmen Farbtönen, Überbleibseln von größeren Nähprojekten. Die Stoffstückchen wurden dann zu Rechtecken auf Vliesstoff in der Größe von etwa 30 x 50 cm genäht. Es mussten sehr viele Teile sein, um Vorder-, Rückenteil und Ärmel entstehen zu lassen. Die fertigen Teile wurden schließlich zu dem „Afrika-Gewand“ zusammengenäht, so damit der Anstoß nicht sichtbar ist. Aus einem abgelegten Bettbezug mit Tigerdruck wurde das Innenfutter sowie eine Blende an Vorderseite und Ärmel gestaltet. Als Kragen dienten Elektrokabel und Computerplatinen. Die Befestigung dieses schwer zu verarbeitenden Materials ermöglichte ein ausgedientes Gardinenband.

Diese Arbeit ist weniger ein Gewand zum Tragen, als zum Nachdenken.

Dann stieß Beringer auf die Ausschreibung. Das ausgewählte Thema „Hülle und Fülle“ lässt viele Freiheiten für die Umsetzung. Einerseits kann aus der Fülle textiler Materialien und Techniken gewählt werden, andererseits muss eine textile Hülle entstehen – für wen oder was ist offen. Verwendet werden sollen textile Materialien, die in textilen Techniken zu verarbeiten sind.

Das Thema und Anforderungen für den Wettbewerb hatten wir hiermit getroffen und holte sich bei Schulleiter Gerhard Gleis grünes Licht für die Teilnahme. Sie bewarben sich im Internet. Beteiligt hatten sich mehr als 2 000 Schülerinnen und Schüler aus 123 Schulen im gesamten Bundesgebiet. Unsere Original- Arbeit schaffte den Vorentscheid und mussten nun der  Jury unter Leitung von Frau Prof. Dr. Waltraud Rusch, PH Karlsruhe und Herr Gert Eberhardt  Geschäftsführer der Initiative Handarbeit zur Begutachtung und Bewertung vorlegt werden.  Pro Schultyp und Jahrgangskategorie wurden die Besten der Besten ausgewählt. Schließlich reiste Martina Beringer mit zwei Schülerinnen nach Berlin, wo sie zu ihrer großen Überraschung den 1. Platz der Klassen 5-10 belegten.

Matthias Zach beglückwünschte die Schülerinnen für diese herausragende Leistung. Sie zeige nicht nur die Kreativität und das handwerkliche Geschick der jungen Näherinnen, sondern sei auch eine Bestätigung für die Nachmittagsbetreuung an der Schule, in der junge Menschen mit Freude ihren individuellen Interessen folgen können. Deshalb fördert der Main-Kinzig-Kreis diesen Nähkurs mit einer Stickmaschine. Dazu gibt es einen Klassensatz T-Shirts, die die Schülerinnen mit „Deutscher Näh-Meister -FAG Schule „besticken können. Zach regte zudem einen weiteren Kurs „Dialekte“an, denn diese Sprache gehe immer mehr verloren.

Bürgermeister Andreas Weiher zeigte sich sehr stolz auf die Leistung der Mädchen. Er sei glücklich, in Wächtersbach deutsche Näh-Meister zu haben. Er überreichte einen Scheck für Eis-Gutscheine.

Schulleiter Gerhard Gleis, der das Nähprojekt nach Kräften unterstützt, sei  sehr stolz über diesen Erfolg.