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In den Fußstapfen großer Dichter

Friedrich-August-Genth-Schule: Unterricht mit Erlebniswert

Wächtersbach: Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7h der Friedrich-August-Genth-Schule haben zum literarischen November ihren ganz eigenen Beitrag geleistet: Vor Mitschülern, Eltern und weiteren Interessierten präsentierten sie am vergangenen Mittwochabend eine Stunde lang Lyrik mit Erlebniswert.

 

Im abgedunkelten Musikraum, erhellt durch Kerzenschein und geschmückt mit Herbstdekorationen, war durchaus dem ein oder anderen ein gewisses Lampenfieber im Vorfeld anzumerken. Kein Wunder: Um die Stimmung eines Gedichtes einzufangen und darzustellen, muss der Rezitator auch einiges von sich selbst zeigen. Dies ist sicher für jeden eine Herausforderung, um so mehr aber für einen Jugendlichen in der Entwicklung.

So präsentierten die jungen Künstler neben berühmten Herbstgedichte von Hebbel, Rilke, Liliencron und anderen auch eigene, selbst geschriebene Werke. Dann folgte jeweils eine Ballade, wobei sich auch die Deutsch- und Klassenlehrerin Beate Moritz-Mayer zusammen mit Schülerinnen einer szenischen Darbietung von Goethes Zauberlehrling stellte. Gegliedert wurde der Abend durch mehrere selbst erarbeitete solistische und kammermusikalische Musikbeiträge.

Entstanden sind die eigenen Gedichte in der Unterrichtseinheit „Gedichte und Balladen“.  Inhaltliche und atmosphärische Impulse dazu hatten sich die Schüler zunächst bei einem geführten Waldspaziergang mit Förster Rainer Götz geholt. Im Anschluss daran  gliederte die Klasse ihre Assoziationen im Mindmapping und kam dann über Impulsschreiben zu ihren ersten kreativen Entwürfen: Von Elfchen über gereimte Strophengedichte, freiere Formen mit starken Bildern bis hin zu einer Ballade war alles vertreten. In Analysen berühmter Gedichte großer Lyriker konnte man ein erstes Gefühl für Rhythmen und andere sprachliche Finessen wie Alliterationen erarbeiten. Inhaltliche Aspekte vom goldenen, warmen Oktober bis hin zu grau-depressiven Novemberstimmungen wurden dabei aufgegriffen.

Der Abend endete in gehobener Stimmung mit Kuchen, Keksen, einem gemeinsamen Lied und einem selbst gedrehten Kurzfilm der Klasse.

 

Die Gedichte stammen von Schülerinnen und Schülern aus der Klasse 07 h:

Tuschkasten

Gelb

Die Sonne

Sie strahlt hell

und lacht mich an

Geborgenheit

            Kira Geyer

 

 

Blau

Das Meer

Es schäumt ruhig

Ich finde dort Zuversicht!

Sehnsucht

            Dennis Daudert

 

Rot

Der Marienkäfer.

Er fliegt durch die Welt

leicht und frei -

Glück

            Maximilian Albrecht

 

 

Grau

Jeden Morgen

aufstehen und durchhalten.

Ich kann nicht mehr.

Leere

            Pia Götzl

 

Schwarz

Liebe Oma,

ganz weit entfernt;

vermisse dich jeden Tag!

Sehnsucht

            Sophie Heuschkel

 

 

Grün

wie Wachstum.

Ich kann es schaffen

und werde nicht aufgeben!

Hoffnung

            Justin Fuchs

 

 

 

 

Einsame Eichel

 

Still liegt da eine.

Wind kommt auf,

Es fegt sie rauf!

Sie ist alleine.

 

Herbstwind zieht fort

an einen andern Ort.

Der Sturm sie mit sich treibt,

damit sie nicht länger

 

-  alleine bleibt.

 

Anna-Luna Beller

 

 

 

Anne Bonny

 

Wie ein Kapitän auf großer Fahrt

eiferte Anne Bonny den Männern nach:

Fuhr unerkannt hinaus aufs weite Meer.

Und fiel über große Schiffe her.

Piraten durften nur Männer sein,

so verkleidete sie sich heimlich allein.

Und als sie fuhr in der tiefen Nacht

auf das weite Meer,

ein Sturm erwacht.

 

„Kap´tän Bonny, Ihr müsst uns helfen!“

Gleich sprang sie auf und ging an Deck.

„Käp`tän, unser Schiff säuft uns weg  -

Wir ertrinken!“

Ja, es sah wirklich böse aus.

Nun kam noch ein Ruf vom Ausguck herab;

„Flutwelle, Bonny, wir saufen noch ab!“

 

Schnell rief Bonny alle heran und befahl:

„Legt euch hier nieder.“

Doch da flog ihr Hut weg

und die blonden, schönen Haare

sahen die Seeleute blitzen im Winde

wie eine wehende Fahne.

 

„Das ist eine Frau!, Sie ist eine Bonny!“,

riefen durcheinander die Matrosen,

„Sie spielt nur den Käp`tan in Männerhosen!“,

und stürzten sich auf sie, einig darin:

„Sterben soll die Verräterin!“

 

So warfen sie Bonny Anne über Bord,

Sie konnte nicht schwimmen,

und war in den wilden Fluten

schnell fort.

 

-  Doch dies war ihrer aller Tod!

 

            Katharina Müller