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Kleine Damen in der großen Stadt

Martina Beringers Nähkurs stellt auf der Eco-Art Frankfurt aus

Mailand, Paris, Frankfurt? Wohin auch immer es die jungen Modemacherinnen aus Wächtersbach ziehen wird, ihre erste Modenschau haben sie auf einer großen Bühne hinter sich gebracht. Im stylischen MyZeil-Center mitten auf der Frankfurter Zeil präsentierten die Schülerinnen aus der Näh-AG ihre eigenen Werke im Rahmen der Eco Art Ausstellung.

Bereits im Frühjahr 2013 ist das Projekt „Upcycling – Alles nur nicht in die Tonne“, mit Erfolg aufgelegt worden. Die Schülerinnen der Wächtersbacher Friedrich-August-Genth-Schule kreieren unter Anleitung von Martina Beringer während der Nachmittagsbetreuung aus getragener Kleidung oder auch benutzten Alltagsgegenständen neue Mode.

Auf dem Wächtersbacher Kunsthandwerkermarkt im Mai stellten sie die so erarbeiteten Stücke erstmals einem großen Publikum zur Schau und fielen nicht nur den heimischen Mitbürgern positiv auf. Anke Trischler, Betreiberin des Labels reTHING, gefielen die Stücke hervorragend, die Idee des Upcyclings ist Grundlage ihres eigenen Labels. So lud sie Martina Beringer und ihre Nachwuchsmodemacher zu der von ihr mit organisierten Ausstellung Eco Art in Frankfurt ein. „Trash Couture“ nennt Trischler das, was dort präsentiert wird: Modekreationen aus wieder verwertbaren Materialien, unter anderem gestaltet von Jugendlichen unter professioneller Anleitung. Zum Einsatz kommen Verpackungsfolie, Plastiktüten, CDs, Werbeflaggen, Werbebanner. „Mut zum Tun ergibt die phantasievolle Welt erneuerbarer Werte“, so Trischler.

In der Loft-Etage von MyZeil gab es die Werke nun zwei Wochen lang zu bestaunen. Am Samstag hatten die Näherinnen selbst die Gelegenheit, vormittags an dem Workshop „Gewänder vieler Länder“ teilzunehmen und anschließend bei der Modenschau ihre Werke einem staunenden Publikum zu präsentieren. Dieses geizte nicht mit Applaus und war begeistert von dem Ideenreichtum und der Vielfalt an Möglichkeiten, mit denen alte Hemden, Regenschirme, Fahrradschläuche, Autogurte oder auch Verpackungsmaterial zu völlig neuen Kreationen verwandelt wurden. Eines der Highlights war eine Kooperation mit männlichen Schülern, die Beringer in Zukunft gerne für den Nähkurs begeistern würde. Diese hatten die Idee, aus einem alten großen Benzinkanister einen Werkzeugkoffer zu machen. Gesagt, getan. Das Ergebnis verblüffte schließlich alle Anwesenden. Ein extravaganter, weiß lackierter, Rollkoffer mit Innenfutter ließ erst bei zweitem Hinsehen erkennen, dass die smarte Aufbewahrungsmöglichkeit einst einmal dem Transport von Benzin diente. „Riecht auch gar nicht“, stellte eine Zuschauerin bei einer näheren Inspektion verblüfft fest. Besonders interessiert zeigte sich eine Marketingexpertin, die sich erkundigte, ob die Werke auch zu verkaufen seien. Wer weiß, möglicherweise rollen in naher Zukunft die Studenten der europäischen Großstädte ihre Unterlagen in Benzinkanister-Trolleys zu den Universitäten.

Am Ende waren sowohl die Mannequins als auch die Veranstalter zufrieden mit dem Ergebnis. Neue Kontakte wurden geknüpft, die Idee des Upcyclings fand neue Interessenten und alle Beteiligten hatten ihren Spaß.