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SchuB-Klasse Wächtersbach hinterlässt anspruchsvolles Erbe

Die SchuB-Klasse 2013 weiht ihren Grill ein

Zu Beginn des neuen Schuljahres hat  sich die SchuB-Abgängerklasse 2013 noch einmal zur Übergabefeier getroffen. Zu ihrer Verabschiedung von der Friedrich-August-Genth-Schule mauerten sie für nachfolgende Schülergenerationen der Schule noch einen Grill in den Schulgarten. Es sollte ein kleines Abschlussprojekt sein, mit dem sie sich nicht nur eine Art Denkmal setzten sondern es sollte auch für andere etwas Nützliches sein.

„Das ist ihnen, so der stolze Klassenlehrer Frank Kulke, auch vollkommen gelungen.“ Auch  Hausmeister Dzon Kecenovic  meint, dass die Jungs eine handwerklich saubere Arbeit geleistet hätten. Zwei Schüler, Michael Möller und Lukas Weismüller, die sich bereits durch Praktika in Maurerbetrieben für ihre berufliche Zukunft festgelegt und nun mit Ausbildungsverträgen die Schule verlassen haben, übernahmen die Leitung des Projekts. Michael skizzierte kurz das Design. Zusammen mit der Klasse planten sie Größe, Materialmenge, Kosten und holten Angebote ein, so dass Schulleiter Gerhard Gleis schnell überzeugt war. Ein Risiko, dass ein solches Projekt im Sand verlaufen könnte, brauchte er nicht fürchten, denn diese SchuB-Klasse, wie auch ihre Vorgänger, haben immer wieder bewiesen, dass sie Schaffer sind. Ohne großartig Aufhebens davon zu machen, betonierten und mauerten die Schüler dann völlig selbstständig in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien einen festen Grill. Patrick Sorge schweißte in der Werkstatt eines Bekannten einen Stahlrost und so ist scheinbar mühelos für wenig Geld ein weiterer Ort für Gemeinschaft und zur Förderung des sozialen Miteinanders in der Schule entstanden.

Drei Viertel der Schüler, die noch zwei Jahre zuvor als handverlesen schwierig galten, haben einen Ausbildungsvertrag.  Dies dürfte mit Ausnahme von anderen SchuB-Klassen hessenweit seinesgleichen suchen.

Möglich wurde dies durch die ambitionierte Unterstützung durch das SchuB-Team (Sozialpädagogin Birgit Weß-Schreiweis, Cristina Lehrian, SaschaTrupp und Sportlehrer Rüdiger Führlich) . „Das war ein harter aber lohnender Weg“, so der Klassenlehrer. Die hessische Landesregierung und der ESF förderten dieses SchuB-Projekt mit einer halben Sozialpädagogenstelle, mit Zuschüssen für praktischen Unterricht und Berufsorientierung. Diese Gelder, so sind sich alle Beteiligten einig, kommen sinnvoll an und sparen im Endeffekt das Zig-fache, wenn erst völlig überalterte Schüler nach vielen schulischen Nullrunden teuer in Förderprogramme der Arbeitsagentur aufgenommen werden müssen.

Auch in diesem Schuljahr konnte wieder eine SchuB-Klasse an der Friedrich-August-Genth-Schule eingerichtet werden – vielleicht zum letzten Mal, wenn die Förderung nicht fortgeführt wird. Eltern, Schüler wie Lehrer richten die dringende Bitte an die Landespolitik, dieses bewährte SchuB-Projekt in 2015 nicht einfach auslaufen zu lassen. Bestehende Konzepte, wie zum Beispiel die „Mittelstufenschule“, sollen es ohne Sozialpädagogen richten. Auch selbstgestrickte Einzelprojekte, die sich mit einem großen verwaltungstechnischen Aufwand ihre sozialpädagogische Fachbetreuung in Eigenregie aufbauen wollen, können kaum den nahezu flächendeckenden Erfolg der langjährig etablierten SchuB-Klassen erreichen. Erfahrenes pädagogisches Personal lässt sich nicht einfach an eine andere geplante Stelle zaubern, so Kulke, der die Arbeit seiner sozialpädagogischen Kollegin Weß-Schreiweis aus der Praxis hoch zu schätzen weiß: „Ohne Sozialpädagogen geht es nicht.“ Nach Jahren noch kämen ehemalige SchuB-Schüler um sich bei ihren weiteren beruflichen Überlegungen beraten zu lassen.

Noch einmal machen sich 15 Schülerinnen und Schüler mit ihrer Sozialpädagogin Birgit Weß-Schreiweis und ihrem Klassenlehrer Frank Kulke auf den zweijährigen Weg zu einem guten Abschluss und erfolgreichen Berufseinstieg. Darunter befinden sich Schüler der Brentano-Schule sowie Jugendliche, die erst sehr kurz in Deutschland sind und nun zu Beginn dieses Weges kaum einen deutschen Satz lesen oder schreiben können. Doch Frau Weß-Schreiweis ist auch diesmal guter Dinge, dass sie diese Klasse durch alle schulischen und sozialen Nöte hindurch mit motivierenden Betriebspraktika und aufmunternden Gesprächen erfolgreich Vorgänger begleiten wird. So geht der ausdrückliche Dank der Schule auch an die vielen engagierten Kooperationspartner aus dem regionalen Handwerk, der Industrie und der Wirtschaft.

 

 

BILD: ehemalige SchuB-Schüler mit Birgit Weß-Schreiweis, Klassenlehrer Frank Kulke und Hausmeister Dzon Kecenovic (rechts)